Warum Odoo, Teil 3: Preispolitik ohne Überraschungen

Software-Kosten im KMU: Warum die Summe der Abos das eigentliche Problem ist.

20.04.2026 | Wissen

Frag mal in einem Schweizer KMU nach, wie viel sie monatlich für Business-Software ausgeben. Nicht für ein einzelnes Tool, sondern für alles zusammen. Die häufigste Antwort: «Weiss ich nicht genau.» Und genau da liegt das Problem.

Der schleichende Kostenanstieg

Kein KMU entscheidet sich bewusst dafür, jeden Monat einen drei- oder vierstelligen Betrag für Software auszugeben. Es passiert schrittweise. Zuerst brauchst du eine Buchhaltung – 60 Franken im Monat, kein Problem. Dann ein CRM, dann ein Projektmanagement-Tool, dann Zeiterfassung, dann ein Newsletter-System, dann ein Helpdesk-Tool. Jedes einzelne Abo ist für sich genommen vernünftig. Aber irgendwann hast du acht, neun, zehn verschiedene Abos – und die Summe hat sich verdreifacht, ohne dass jemand das so geplant hat.

Dahinter steckt System – genau so funktioniert die SaaS-Branche: Jedes Tool löst genau ein Problem, und für alles andere brauchst du das nächste Tool. Und das nächste Abo.

«Steig günstig ein – und wenn du drin bist, wird's teuer»

Fast jeder grosse SaaS-Anbieter arbeitet nach dem gleichen Prinzip: Der Einstieg ist bewusst günstig gehalten. Manchmal sogar gratis. Aber die Funktionen, die dein Unternehmen wirklich brauchen wird – Automatisierungen, API-Zugang, besseres Reporting, mehr User – die stecken im nächsten Paket. Und das kostet oft ein Vielfaches.

HubSpot ist ein Paradebeispiel: Das Starter-Paket kostet fast nichts und eignet sich hervorragend, um reinzukommen. Aber sobald du Marketing-Automation, vernünftiges Reporting oder mehr als eine Handvoll Kontakte brauchst, landest du beim Professional- oder Enterprise-Paket. Der Preissprung ist massiv. Und weil du zu dem Zeitpunkt bereits alle deine Kontakte und Prozesse in HubSpot hast, ist ein Wechsel aufwändig – genau wie geplant.

Die Preisstufen sind bei vielen Anbietern so geschnitten, dass du mit deinem realen Bedarf fast immer knapp in die nächsthöhere Stufe fällst. Du brauchst ein Feature aus dem Pro-Paket? Dann zahlst du das komplette Pro-Paket – auch für alles andere, das du gar nicht nutzt.

Wenn Treue bestraft wird

Besonders problematisch wird es, wenn Anbieter ihre Preismodelle grundlegend ändern – und langjährige Kunden dafür die Rechnung zahlen.

Ein dokumentiertes Beispiel: Das Zeiterfassungs-Tool Harvest hat Anfang 2026 ein neues Preismodell eingeführt, das auf «Usage Billing» basiert. Klingt fair – wer mehr nutzt, zahlt mehr. Das Problem: «Usage» wurde nicht als aktive Nutzung definiert, sondern als gespeicherte Datenmenge. Ein langjähriger Kunde, der Harvest 14 Jahre treu genutzt hatte, bekam ein Angebot für die Umstellung: Von rund 168 Dollar pro Jahr auf über 19'000 Dollar – für denselben einen Benutzer-Account. Nicht weil er mehr nutzte, sondern weil er über die Jahre Daten angesammelt hatte. 14 Jahre Treue wurden zur Preisfalle.

Ein Extremfall, klar. Aber er zeigt, woran viele SaaS-Modelle kranken: Du baust dein Unternehmen auf einem Tool auf, und je länger du dabei bist, desto schwieriger wird der Ausstieg – und desto mehr Spielraum hat der Anbieter bei der Preisgestaltung.

Was es bei Odoo anders macht

Odoo verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz: Ein Preis pro User pro Monat – und darin sind alle Apps enthalten. CRM, Buchhaltung, Projektmanagement, HR, Helpdesk, E-Commerce, Newsletter, Lagerverwaltung – alles inklusive. Kein Feature-Gating, keine versteckten Aufpreise, kein «für diese Funktion brauchen Sie das nächsthöhere Paket».

Das bedeutet: Du weisst heute, was du morgen zahlst. Die einzige Variable ist die Anzahl User. Keine Überraschungen, keine Preisstufen, die genau so geschnitten sind, dass du immer in die teurere fällst.

Und weil bei Odoo die Daten jederzeit dir gehören – vollständig exportierbar, in offenen Formaten – hast du eine echte Exit-Option. Du bist nicht gefangen. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu proprietären SaaS-Lösungen, bei denen der Ausstieg oft bewusst erschwert wird.

Unser eigener Aha-Moment

Bei RTP haben wir irgendwann alle Software-Rechnungen zusammengetragen. Nicht weil wir unzufrieden waren – die einzelnen Tools funktionierten gut. Sondern aus Neugier. Das Ergebnis hat uns überrascht. Nicht weil ein einzelnes Abo zu teuer war, sondern weil die Summe von neun verschiedenen Tools eine Zahl ergab, die sich niemand bewusst so ausgesucht hatte.

Allein bei den Lizenzkosten sparen wir nach der vollständigen Migration auf Odoo knapp 1'000 Franken pro Jahr. Das ist für ein kleines Unternehmen kein riesiger Betrag – aber es ist Geld, das vorher einfach versickert ist. Und die eigentliche Einsparung liegt sowieso woanders: in der Zeit, die wir nicht mehr damit verbringen, Daten zwischen Systemen hin- und herzuschieben.

Was du tun kannst

Ein erster Schritt, der nichts kostet: Zähl zusammen, was du aktuell für Software-Abos ausgibst. Alle. Nicht nur die offensichtlichen, auch die kleinen, die irgendwann dazugekommen sind. Die Zahl, die dabei rauskommt, ist meistens der beste Auslöser für ein Gespräch darüber, ob es nicht auch einfacher geht.