Odoo als CMS: Unsere Erfahrung mit dem Website Builder
Unsere Website sieht aus wie vorher, läuft aber neu auf Odoo. Warum wir das CMS gewechselt haben, was dadurch möglich wird – und wo das Odoo-CMS besser ist als sein Ruf.
Eine Frage ist uns in den letzten Monaten immer wieder begegnet, von Kundinnen und Kunden wie von Kolleginnen und Kollegen aus der Branche: Taugt der Odoo Website Builder eigentlich als CMS? Wir haben die Antwort an uns selbst ausprobiert. Seit heute läuft unsere Website auf Odoo.
Warum wir das CMS überhaupt gewechselt haben
Unsere bisherige Website hat funktioniert. Sie war schnell, gepflegt und technisch sauber. Der Grund für den Wechsel lag nicht an ihr, sondern an dem, was sie nicht konnte: mit dem Rest unseres Systems reden.
Jedes Kontaktformular landete per E-Mail irgendwo, und von dort musste jemand den Kontakt von Hand ins CRM übertragen. Stellenausschreibungen pflegten wir doppelt, einmal im Recruiting-Tool und einmal auf der Website. Das sind genau die manuellen Zwischenschritte, von denen wir unseren Kunden abraten – und wir hatten sie selbst im Einsatz.
Was sich für Besucherinnen und Besucher ändert: nichts
Das Design ist identisch geblieben, die Struktur ebenfalls. Ein Technologiewechsel ist kein Grund, Besucherinnen und Besucher umzugewöhnen, und es hätte den Umfang des Projekts unnötig aufgebläht. Der gesamte Nutzen liegt hinter der Oberfläche.
Geschäftsprozesse starten jetzt auf der Website
Was auf der Website passiert, löst direkt einen Prozess im System aus. Ohne Export, ohne Zwischen-Tool, ohne manuelles Übertragen.
Das Kontaktformular erzeugt einen Lead im CRM. Das Supportformular erzeugt ein Ticket im Helpdesk, das sofort im normalen Support-Workflow liegt. Die Stellenausschreibungen kommen direkt aus der Recruiting-App, und Bewerbungen laufen auf demselben Weg zurück – womit ein weiteres externes Tool wegfällt. Als Nächstes folgt die Newsletter-Anmeldung für neue Know-how-Artikel.
Das klingt nach Kleinigkeiten. In der Summe sind es aber genau die Stellen, an denen in vielen Unternehmen täglich Zeit verloren geht und gelegentlich eine Anfrage untergeht.
Was wir unter der Haube aufgebaut haben
Wir haben eine eigene Datenbank für Referenzprojekte angelegt, aus der sich die Projektseiten speisen. Dazu eine Know-how-Datenbank für unsere Artikel – inklusive diesem hier. Und FAQ sowie Testimonials liegen als eigene Datensätze vor, die sich über Gruppen flexibel einzelnen Seiten oder Projekten zuweisen lassen.
Der Unterschied zu klassischem CMS-Content: Diese Inhalte sind strukturierte Daten, keine Textblöcke. Eine Kundenstimme muss nur einmal erfasst werden und kann danach an mehreren Stellen erscheinen, ohne Copy-Paste.
Und das Kundenportal
Ein Nebeneffekt, der sich als einer der praktischsten erwiesen hat: Kundinnen und Kunden melden sich direkt auf unserer Website an und sehen ihre Aufträge, Aufgaben und Rechnungen. Kein separates Portal, keine zweite URL, kein zusätzliches Passwort.
Ehrliche Einordnung: Wo das Odoo-CMS steht
Der Odoo Website Builder hat in der Branche keinen besonders guten Ruf. Nach diesem Projekt finden wir: zu Unrecht – zumindest für den Einsatzzweck, um den es den meisten KMU geht.
Entscheidend ist die Arbeit mit den Design-Themes. Wer sich darauf einlässt, bekommt von Anfang an eine grosse Auswahl an Bausteinen und ein konsistentes Gestaltungsraster. Der Editor ist für Redaktionsarbeit gut bedienbar, und wer Inhalte pflegt, braucht dafür keine Entwicklerin.
Ehrlich bleiben gehört aber dazu: Ein hochspezialisiertes Enterprise-CMS ersetzt der Website Builder nicht. Wer komplexe redaktionelle Freigabeprozesse oder grosse mehrsprachige Redaktionen braucht, ist mit einem dedizierten System nach wie vor besser bedient. TYPO3 kann in diesen Disziplinen mehr – das sagen wir nach zwanzig Jahren mit gutem Gewissen.
Für ein KMU, das eine saubere, pflegbare Website will, die mit den eigenen Geschäftsprozessen verbunden ist, überwiegt der Integrationsvorteil aus unserer Sicht deutlich.
Was wir daraus mitnehmen
Die Frage «Welches CMS ist das beste?» führt bei den meisten KMU in die falsche Richtung. Nützlicher ist die Frage, was nach dem Klick auf «Senden» passiert. Wenn dort ein Mensch Daten von einem System ins nächste kopiert, ist das CMS nicht das Problem – die fehlende Verbindung ist es.
Bei uns ist diese Verbindung jetzt da. Und ganz nebenbei ist unsere Liste der externen Tools wieder ein Stück kürzer geworden.
Lukas Rüegg, Geschäftsführer
E-Mail |
+41 44 527 07 00