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Die einfühlsame Website

Autor: Roland Sailer, 05.06.2012 Kommentare (0)

Roland Sailer ist Partner der NOSE Design AG und verantwortlich für das Kompetenzfeld Digital Branding und Interaction Design. Daneben ist er als Gastdozent an verschiedenen Hochschulen tätig. In seinem Gastbeitrag gibt er einen Einblick in das Thema Responsive Design aus der Sicht des Designers:

Wir Schweizer nutzen inzwischen das Internet bald zur Häfte unterwegs. Zu Hause lümmeln wir auf dem Sofa mit einem Computer-Tablett und den PC gibt es wohl bald in saisonal wechselnden Varianten. Benutzer wünschen sich, dass eine Website für jede Situation, für jeden Ort und für jedes Gerät optimiert ist. Unterwegs brauche ich ortsbezogene Informationen, habe weniger Zeit, einen kleinen Bildschirm und eine geringere Datenbandbreite. Zu Hause gibt es verschiede Situationen: Couch-Surfer, Heimarbeiter oder Kinderbespasser. Im Büro steht die Produktivität im Vordergrund, darum möchte ich mich fokussieren und das soziale Rauschen auf ein Minimum dimmen.

Die Entwickler- und Designcommunity hat für die Aufmerksamkeit der Websites spannende Buzzwords: Context Aware, Location Aware oder User Centered. Die Herausforderung, dafür Lösungen anzubieten, veranschaulicht eine einfache grobe Rechnung: 5 Situationen mal 5 Browser mal 5 Betriebssysteme mal 5 Bildschirmgrössen. Weil niemand die 625 Websites dafür in Auftrag gibt, verspricht «Responsive Design» eine Lösung für dieses Problem: Eine Website, welche den Nutzungskontext selbständig erkennt und dem Benutzer die Inhalte jeweils optimiert anbietet. Einmal programmieren, einmal bewirtschaften, überall passend ausliefern. Inhalte und Layout gruppieren sich passend zu Ort, Situation und Screengrösse um, die Bilder werden passend zum aktuellen Datendurchsatz ausgeliefert. 

Das hört sich erst einmal fein an und tatsächlich schiessen responsively designed Projekte wie die Pilze aus dem Boden. Besonderer Clou der Umsetzungen: ohne  Nachladen der Seite passen sich den verfügbaren Platz an, entweder beim Skalieren des Browserfensters oder dem Drehen des Smartphones oder Tablets. Ich wette, wenn Sie das nicht schon kennen, werden Sie mit dem folgenden Beispiel einigen Spass haben: http://bostonglobe.com/.

Aber Vorsicht: dieser Effekt ist in der Praxis völlig unwichtig. Als Benutzer möchte ich in der aktuellen Situation optimal begleitet werden und spiele nicht gerne Kontext-Roulette.

Für Designer stellt responsive eine reizvolle neue Herausforderung dar: während traditionell meist mit festen Layouts gearbeitet wurde, müssen nun verschiedene Lösungen und ihre Übergänge entwickelt werden. Techniker müssen ein HTML Gerüst entwickeln in dem Funktionalität und Inhalt so abgelegt sind, dass sie von allen Browsern verstanden werden und ohne Ladevorgang in die jeweils passende Form gebracht werden können. Auf dem Weg zur einfühlsamen Website ist das gesamte Team gefordert, nur in enger Koordination von Design, Inhalt und Technik erscheint die Website für Benutzer aus einem Guss. Ich empfehle vom kleinsten Bildschirm her zu denken und zunächst die Bedürfnisse für jede Situation separat zu analysieren und Lösungsansätze zu definieren. 

Der Einstieg in responsive Design geht schnell, es gibt inzwischen viele Tutorials und noch mehr Beispielsammlungen (z.B: http://designmodo.com/responsive-design-examples/). Einfach ist es deswegen nicht. Die verschiedenen Befürfnisse in ein funktionierendes System zu vereinigen braucht viel Ausdauer und Tüftelei.

Und der Kunde bekommt 3 Websites für den Preis von einer? Eher nicht. Der Entwicklungsaufwand ist nicht gering, Responsive Design ist kein technisches Upgrade nach dem Motto: «und dann machen wir's noch schnell responsive». Das Versprechen, dass sich eine responsive Website effizienter bewirtschaften lässt als eine Hand voll spezifischer Websites wird dadurch belegt, dass vor allem Corporate Websites und redaktionelle Gefässe responsive sind. Web-Applikationen und grosse Portale lassen noch auf sich warten. Entsprechend empfehle ich responsive Design, wenn Inhalte (Text, Bild, Video) verwaltet werden sollen und weniger, wenn die Transaktion im Vordergrund steht (e-Commerce). Dafür braucht es neben den bestehenden technischen Tricks noch einiges an Denkarbeit, dass dem Benutzer die Übersicht nicht verloren geht. Denn am Ende des Tages ist das responsive Redesign nur erfolgreich, wenn die response der Benutzer die responsibility der Herausgeber bestätigt.

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Tags

  • User Experience, 
  • Responsive Design
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